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Auschwitz 2011

Auschwitzfahrt 2011

Sieben Tage an einem Ort, wo die dunkelste Vergangenheit Deutschlands stattfand; an einem Ort, wo Millionen Menschen ihr Leben ließen. An so einem Ort waren wir, Schülerinnen und Schüler der Viktoriaschule Aachen, vom 8. bis zum 14. März 2011.

Unsere Schule bietet jedes Jahr für die Stufe 11 die Möglichkeit an, nach Auschwitz zu fahren, um einen bedeutenden Teil der deutschen Geschichte selber zu erleben. Jeder Schüler, der teilnehmen wollte, sollte eine Bewerbung schreiben, in die er seine persönliche Motivation für die Teilnahme an der Fahrt darlegen sollte. Aufgrund dieser Bewerbungen wurde dann die Gruppe bestehend aus 15 Schülerinnen und Schülern ausgewählt.

Unsere Fahrt begann am Dienstag früh morgens um 2 Uhr am Aachener Hauptbahnhof. Nach 12 Stunden Zugfahrt und Flug kamen wir erschöpft, aber gespannt im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim an. Unsere Unterkunft lag in der Nähe des Stammlagers Auschwitz I, welches wir dadurch zu Fuß erreichen konnten.

auschwitz2011

Mit dem Besuch des Arbeitslagers fing unser Programm auch an. Wir bekamen eine Führung, konnten aber danach auch selbstständig durch das Lager gehen. Während unseres Besuches gab es auch in den einzelnen Häusern Ausstellungen von den Ländern und ethischen Gruppen, die nach Auschwitz verschleppt wurden.

Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau II, der für viele von uns noch beeindruckender war. In diesem Lager wurde uns das Ausmaß des Holocausts erst richtig bewusst, da uns die Größe und die Organisation des damaligen Massenmordes vor Augen geführt wurden. Auch hier bekamen wir eine Führung, die uns die damaligen Zustände näher brachte.

Neben den Besuchen der Orte, wo man die Grausamkeit selbst fühlen konnte und sie einen umgab, besuchten wir auch verschiedene Ausstellungen.

Im Stammlager selbst sahen wir eine Ausstellung, in der verschiedene Bilder hingen, die Häftlinge während der Zeit im Lager gemalt hatten. Es waren Bilder darunter, die von Aufsehern in Auftrag gegeben wurden, jedoch auch heimlich gemalte Bilder. Was uns an dieser Ausstellung am meisten in Erinnerung blieb, war die Tatsache, dass die Häftlinge für das Malen dieser Bilder ihr Leben riskierten, dadurch, dass sie Bleistifte stahlen oder anderes Material, um zu malen. Und mit diesen einfachen Mitteln, manchmal waren es wirklich nur Bleistifte, zauberten sie faszinierende Bilder, die mehr waren, als einfach nur Bilder. Sie waren ihre Hoffnungen, ihre Träume, ihr einziger Ausweg.

Eine weitere Ausstellung war von einem Künstler, der nach seiner Befreiung anfing, seine Erlebnisse in Bilder zu fassen. Marian Kolodziej war ein Häftling in Auschwitz mit der Nummer 432 und stellte verschiedene Szenen aus dem Lager in seinen Bildern dar, wodurch er versuchte, seine Erlebnisse zu verarbeiten. Die Bilder hatten eine durchgängig düstere Atmosphäre, die manche von uns bedrückte, jedoch auch sehr eindringlich war, da man erkannte, dass unser heutiges Leben immer noch durch die damaligen Geschehnisse geprägt ist.

Darüber hinaus waren wir auch in dem Ort Oświęcim, wo wir das dortige jüdische Zentrum besucht haben und so auch etwas über die Vergangenheit des Ortes gelernt haben, der uns heute an den Massenmord des zweiten Weltkrieg erinnert, jedoch aber auch eine eigene Geschichte hat.

Im Zentrum für Dialog und Gebet hatten wir auch Besuch eines Zeitzeugens, der der Gemeinschaft der Sinti und Roma angehört. Er berichtete uns von den Geschehnissen in dem Lager, die verbunden mit unseren eigenen Erfahrungen, die wir gemacht hatten, ein neues Bild in uns erwachen ließen. Ein besonderer Augenblick für alle war, als er uns seine eintätowierte Häftlingsnummer zeigte. Es war einer dieser Augenblicke, wo alles real wurde.

Als Abschluss der Fahrt stand ein gemeinsamer Besuch der Stadt Krakau an. Es war eine wichtige und notwendige Abwechslung zu den beklemmenden Erfahrungen, die wir gemacht hatten. Neben einer Stadtbesichtigung hatten wir auch die Zeit und Gelegenheit, selber die Stadt zu erkunden oder die einen oder anderen Dinge zu kaufen. Krakau zeigte uns einen anderen Teil von Polen, welcher im Kontrast zu unseren vorherigen Eindrücken stand. Der Abschluss dieses Tages war ein gemeinsames Abendessen, bevor es am nächsten Tag zurück nach Deutschland ging.

Neben den ganzen historischen und wissenschaftlichen Informationen, die wir durch unseren Besuch gelernt haben, und die bestimmt auch wichtig sind, können wir alle wohl guten Gewissens behaupten, dass uns die Fahrt in unserer persönlichen Entwicklung weitergebracht hat. Diese Fahrt werden wir wohl alle nie vergessen, da sie uns nicht nur Daten und Fakten bereitet hat, sondern auch wesentliche zwischenmenschliche Erkenntnisse.

Jeden Abend saßen wir in einem gemütlichen Kaminzimmer und haben in entspannter Runde über die Erlebnisse des Tages geredet und auch viele Diskussionen geführt! Dabei kamen Fragen auf, die die Schuld betreffen und wie die heutige Generation damit umgehen soll. Wir finden alle, dass wir heute keine Schuld daran haben, was damals passiert ist. Aber wir tragen die Verantwortung dafür, dass die Geschehnisse nicht vergessen werden und die Erinnerung an die Millionen gestorbene Menschen aufrecht erhalten wird. Wir müssen dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passieren wird. Das ist die eine Sache, die wir bei dieser Fahrt gelernt haben. Wir können uns jetzt die damaligen Zustände besser vorstellen und haben eine Menge über die Zeit während des Holocausts erfahren.

Aber es ist nicht nur das. Es hat nicht nur etwas mit Historie oder Daten zu tun. Es geht um andere Dinge, um Empfindungen, um Gefühle und darum, dass Millionen Menschen ihre Familien verloren haben, ihre Freunde verloren haben und vor Allem ihre Würde und Identität verloren haben. Dies zu realisieren hat uns alle betroffen gemacht und dazu geführt, unser eigenes Leben intensiver zu betrachten. Es hat dazu geführt, über Entscheidungen und unser eigenes Verhalten nachzudenken. Dementsprechend ist die Auschwitzfahrt eine Fahrt, die verändert und dazu bringt, bewusster sich selbst zu reflektieren.

Daher möchten wir uns auch bei allen Schülerinnen und Schülern bedanken, die mitgefahren sind, denn für so eine Fahrt ist es wichtig, eine Gruppe von Menschen zu haben, die füreinander da sind und einander unterstützen. So eine Gruppe von jugendlichen Schülern waren wir. Man konnte sich bei uns wohlfühlen. Es ist also nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dass diese Reise unser Leben verändert hat und uns auch nachhaltig bewegt. Wir werden diese Reise nie vergessen.

In diesem Sinne möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Begleitpersonen bedanken, bei Herrn Opitz, bei Herrn May und bei Frau Pilgrim. Sie haben uns mit viel Engagement durch diese Zeit geführt und ein hervorragendes Programm zusammengestellt, wodurch wir so viele Eindrücke und Erfahrungen gewinnen konnten.

Ganz besonders möchten wir Simon Umbach danken. Er war die ganze Zeit für uns da, egal ob es um Fragen oder persönliche Bedürfnisse ging. Außerdem hat er uns auch mit seiner Planung für den letzten Abend einen besonderen Abschluss bereitet, der uns erlaubte, die Eindrücke in Auschwitz noch einmal Revue passieren zu lassen und uns Schüler noch einmal sehr zusammenschweißte. Vielen Dank dafür!

Zum Abschluss können wir nur jedem empfehlen, diese Fahrt mitzumachen. Es ist keine einfache Fahrt. Und ganz sicher ist es keine Vergnügungsfahrt. Aber es ist eine Fahrt für die Menschen, die damals gestorben sind, und eine Fahrt für sich selbst.

Von Florencia Casanova und Ann-Katrin Schäfer (Stufe11)